Schlafstörungen
Schlafstörungen erkennen: Symptome, Ursachen und Behandlung

Wenn die Nacht nicht mehr erholsam ist. Sie sind müde, aber sobald Sie im Bett liegen, beginnt der Kopf zu arbeiten. Sie wachen nachts immer wieder auf, schauen auf die Uhr und rechnen aus, wie viele Stunden Ihnen noch bleiben. Oder Sie öffnen morgens die Augen und fühlen sich, als hätten Sie kaum geschlafen.
Warum kann ich nicht schlafen, obwohl ich so erschöpft bin?
Gelegentlich schlecht zu schlafen, ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Belastungen, Veränderungen, körperliche Beschwerden oder ungewohnte Tagesabläufe können den Schlaf vorübergehend stören. Wenn Schlafprobleme jedoch über längere Zeit bestehen, sich die Sorge vor der nächsten Nacht verstärkt und der Tag zunehmend darunter leidet, kann sich eine behandlungsbedürftige Schlafstörung entwickelt haben.
Das bedeutet nicht, dass Sie „das Schlafen verlernt“ haben oder sich einfach mehr entspannen müssten. Schlaf lässt sich nicht erzwingen. Gerade der Versuch, ihn besonders stark zu kontrollieren, kann die innere Anspannung erhöhen. Die gute Nachricht: Anhaltende Ein- und Durchschlafstörungen sind gezielt behandelbar. Besonders gut untersucht ist die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie, kurz KVT-I.
Was sind Schlafstörungen?
Der Begriff Schlafstörungen umfasst verschiedene Probleme rund um Schlafdauer, Schlafqualität, Schlafzeitpunkt und nächtliches Verhalten. Dazu gehören unter anderem Ein- und Durchschlafstörungen, schlafbezogene Atmungsstörungen, Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, ausgeprägte Tagesschläfrigkeit und ungewöhnliche Bewegungen oder Verhaltensweisen im Schlaf.
Im psychotherapeutischen Kontext geht es besonders häufig um die Insomnie. Dabei bestehen Schwierigkeiten,
- einzuschlafen,
- durchzuschlafen,
- nach nächtlichem Erwachen wieder einzuschlafen,
- oder bis zur gewünschten Zeit zu schlafen.
Manche Betroffene schlafen objektiv mehrere Stunden und erleben ihren Schlaf dennoch als oberflächlich oder nicht erholsam. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Zahl der geschlafenen Stunden. Zu einer Insomnie gehören auch spürbare Folgen am Tag – etwa Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Gereiztheit oder eine beeinträchtigte Leistungsfähigkeit – obwohl grundsätzlich ausreichend Zeit und passende Bedingungen zum Schlafen vorhanden wären.
Von einer chronischen Insomnie wird nach aktuellen Diagnosekriterien in der Regel gesprochen, wenn die Beschwerden mehrmals pro Woche über mindestens drei Monate bestehen. Unterstützung kann jedoch schon deutlich früher sinnvoll sein. Sie müssen nicht warten, bis ein bestimmter Zeitraum erfüllt ist oder Ihr Alltag kaum noch funktioniert.
Wichtig: Nicht jeder Mensch benötigt acht Stunden Schlaf. Das persönliche Schlafbedürfnis ist unterschiedlich und verändert sich über die Lebensspanne. Eine einzelne kurze Nacht ist noch keine Schlafstörung.
Welche Symptome können bei Schlafstörungen auftreten?
Schlafprobleme zeigen sich nicht nur in der Nacht. Häufig entsteht eine Belastung, die sich durch den gesamten Tag zieht.
Typische Beschwerden in der Nacht
- langes Wachliegen vor dem Einschlafen,
- häufiges oder längeres Erwachen,
- sehr frühes morgendliches Aufwachen,
- oberflächlich oder unruhig erlebter Schlaf,
- Grübeln und Gedankenkreisen im Bett,
- körperliche Anspannung, Herzklopfen oder innere Unruhe,
- häufiges Kontrollieren der Uhrzeit,
- wachsende Angst davor, erneut nicht schlafen zu können.
Typische Folgen am Tag
- Müdigkeit, Erschöpfung oder ausgeprägte Schläfrigkeit,
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme,
- Reizbarkeit und geringere Belastbarkeit,
- gedrückte Stimmung oder Ängstlichkeit,
- verminderte Motivation und Leistungsfähigkeit,
- Kopfschmerzen oder körperliches Unwohlsein,
- Rückzug aus sozialen oder angenehmen Aktivitäten,
- starke Beschäftigung mit dem eigenen Schlaf.
Viele Betroffene beobachten ihren Zustand sehr genau: „Wie müde bin ich gerade?“, „Werde ich den Arbeitstag schaffen?“ oder „Was, wenn es heute wieder nicht klappt?“ Diese verständliche Selbstbeobachtung kann den Schlaf zunehmend zu einer Prüfung machen, die jede Nacht bestanden werden muss.
Welche Formen von Schlafstörungen gibt es?
Nicht hinter jedem Schlafproblem steckt eine Insomnie. Die Unterscheidung ist wichtig, weil unterschiedliche Schlafstörungen auch unterschiedlich behandelt werden.
Insomnie: Ein- und Durchschlafstörungen
Die Insomnie ist durch anhaltende Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen, frühes Erwachen oder nicht erholsamen Schlaf mit Beeinträchtigungen am Tag gekennzeichnet. Sie kann eigenständig auftreten oder gemeinsam mit körperlichen Erkrankungen, Depressionen, Angststörungen, Traumafolgestörungen oder anderen psychischen Belastungen bestehen.
Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
Hier passen die innere biologische Uhr und die gewünschten oder erforderlichen Schlafzeiten nicht gut zusammen. Das kann beispielsweise bei Schichtarbeit, Jetlag oder einer stark nach hinten verschobenen Schlafphase auftreten. Betroffene können zu bestimmten Zeiten gut schlafen, aber nicht zu jenen Zeiten, zu denen der Alltag es verlangt.
Schlafbezogene Atmungsstörungen
Bei einer Schlafapnoe kommt es während des Schlafs wiederholt zu Atempausen oder einer eingeschränkten Atmung. Hinweise können lautes, unregelmäßiges Schnarchen, beobachtete Atemaussetzer, nächtliches Luftschnappen, morgendliche Kopfschmerzen und starke Tagesschläfrigkeit sein. Eine Schlafapnoe gehört ärztlich beziehungsweise schlafmedizinisch abgeklärt und wird nicht durch Psychotherapie allein behandelt.
Restless-Legs-Syndrom und nächtliche Bewegungsstörungen
Ein unangenehmer Bewegungsdrang in den Beinen, Kribbeln oder Ziehen in Ruhe und eine Besserung durch Bewegung können auf ein Restless-Legs-Syndrom hinweisen. Auch wiederkehrende Beinbewegungen im Schlaf können die Schlafqualität beeinträchtigen. Hier ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.
Hypersomnien und Narkolepsie
Im Vordergrund steht eine ungewöhnlich starke Tagesschläfrigkeit, teilweise mit ungewolltem Einschlafen oder Schlafattacken. Das ist etwas anderes als das Gefühl, nach einer schlechten Nacht erschöpft zu sein, und sollte fachärztlich untersucht werden.
Parasomnien
Dazu zählen beispielsweise Schlafwandeln, ausgeprägte Albträume oder das heftige Ausagieren von Trauminhalten. Je nach Art, Häufigkeit und Gefährdung ist eine medizinische oder psychotherapeutische Abklärung angezeigt.
Wie entstehen Schlafstörungen?
Meist gibt es nicht die eine Ursache. Gerade bei einer Insomnie wirken häufig mehrere Faktoren zusammen. Ein hilfreiches Erklärungsmodell unterscheidet zwischen begünstigenden, auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen.
Begünstigende Faktoren
Manche Menschen reagieren von Natur aus sensibler auf Geräusche, Veränderungen oder Belastungen. Auch eine ausgeprägte Neigung zum Grübeln, ein hoher Leistungsanspruch, unregelmäßige Tagesrhythmen oder frühere Erfahrungen mit schlechtem Schlaf können die Anfälligkeit erhöhen. Das bedeutet nicht, dass eine Schlafstörung zwangsläufig entstehen muss.
Auslösende Belastungen
Schlafprobleme beginnen häufig in einer konkreten Belastungsphase, etwa durch
- beruflichen oder privaten Stress,
- Konflikte, Trennungen oder Verluste,
- Sorgen und Zukunftsängste,
- körperliche Erkrankungen oder Schmerzen,
- Schwangerschaft, Elternschaft oder hormonelle Veränderungen,
- Schichtarbeit, Reisen oder Veränderungen des Tagesrhythmus,
- psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder PTBS.
Auch Medikamente und Substanzen können den Schlaf beeinflussen. Dazu zählen je nach Einnahmezeit und individueller Reaktion beispielsweise Koffein, Nikotin, Alkohol, stimulierende Medikamente oder bestimmte andere Arzneimittel. Veränderungen sollten immer ärztlich besprochen und Medikamente nicht eigenständig abgesetzt werden.
Aufrechterhaltende Faktoren
Der ursprüngliche Auslöser kann längst abgeklungen sein, während das Schlafproblem weiterbesteht. Häufig haben sich inzwischen Sorgen, Anspannung und verständliche Bewältigungsversuche entwickelt, die den Schlaf unbeabsichtigt erschweren. Genau hier setzt psychotherapeutische Behandlung an.
Der Teufelskreis der Schlafstörung
Nach mehreren schlechten Nächten wächst oft der Wunsch, in der nächsten Nacht unbedingt ausreichend schlafen zu müssen. Damit steigt jedoch auch der Druck.
So entsteht der Kreislauf
Eine schlechte Nacht. Am nächsten Tag fühlen Sie sich erschöpft, unkonzentriert oder emotional dünnhäutig.
Sorge und Erwartungsangst. Gedanken wie „Ich muss heute schlafen“ oder „Morgen schaffe ich sonst gar nichts“ erhöhen bereits am Abend die Anspannung.
Kontrolle und körperliche Aktivierung. Sie beobachten Müdigkeit, Uhrzeit und Körpersignale. Das Gehirn bleibt wachsam – genau dann, wenn Loslassen hilfreich wäre.
Verständliche Ausgleichsversuche. Vielleicht gehen Sie besonders früh ins Bett, bleiben morgens länger liegen, verbringen immer mehr Zeit im Bett, schlafen tagsüber oder sagen Aktivitäten aus Sorge vor Erschöpfung ab.
Weniger Schlafdruck und erlernte Wachheit. Durch lange Bettzeiten und unregelmäßige Rhythmen kann der natürliche Schlafdruck sinken. Gleichzeitig verbindet das Gehirn Bett und Schlafzimmer zunehmend mit Wachliegen, Grübeln und Anstrengung.
Erneut schlechter Schlaf. Die nächste unruhige Nacht scheint die Befürchtungen zu bestätigen – und der Kreislauf beginnt von vorne.
Je stärker Schlaf zu einer Aufgabe wird, desto schwerer kann er fallen. Behandlung bedeutet deshalb nicht, sich noch mehr anzustrengen. Es geht darum, Schlafdruck, Rhythmus und Vertrauen in die eigene Schlaffähigkeit schrittweise wieder aufzubauen.
Wie werden Schlafstörungen diagnostiziert?
Am Anfang steht eine genaue Schlafanamnese. Dabei wird geklärt,
- welche Beschwerden nachts und tagsüber auftreten,
- seit wann und wie häufig sie bestehen,
- zu welchen Zeiten Sie schlafen und wie viel Zeit Sie im Bett verbringen,
- welche körperlichen oder psychischen Erkrankungen vorliegen,
- welche Medikamente und Substanzen den Schlaf beeinflussen könnten,
- ob Hinweise auf Schlafapnoe, Restless Legs, zirkadiane Störungen oder andere Schlafstörungen bestehen.
Ein Schlaftagebuch über ein bis zwei Wochen kann helfen, Muster sichtbar zu machen. Ergänzend können standardisierte Fragebögen wie der Insomnia Severity Index eingesetzt werden. Fitnessuhren und Schlaftracker liefern dagegen nur Schätzwerte. Sie können Hinweise geben, ersetzen aber keine Diagnostik – und verstärken bei manchen Menschen die nächtliche Selbstkontrolle.
Eine Untersuchung im Schlaflabor ist bei einer typischen Insomnie nicht automatisch erforderlich. Sie ist insbesondere dann sinnvoll, wenn der Verdacht auf eine organische Schlafstörung wie Schlafapnoe oder auffällige nächtliche Bewegungen besteht oder weitere begründete schlafmedizinische Fragen geklärt werden müssen.
Wie werden Ein- und Durchschlafstörungen behandelt?
Die aktuelle S3-Leitlinie empfiehlt die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) bei Erwachsenen als erste Behandlungsoption. Das gilt auch dann, wenn die Schlafstörung gemeinsam mit einer körperlichen Erkrankung oder einer anderen psychischen Störung auftritt. Begleiterkrankungen sollten parallel angemessen behandelt werden.
Psychoedukation und ein persönliches Erklärungsmodell
Zu verstehen, wie Schlafdruck, innere Uhr und körperliche Aktivierung zusammenwirken, kann bereits entlasten. Gemeinsam wird betrachtet, welche Faktoren die Schlafstörung ursprünglich ausgelöst haben und welche Reaktionen sie heute aufrechterhalten. So entsteht ein individuelles Vorgehen statt einer allgemeinen Liste von „Schlafregeln“.
Stimuluskontrolle
Ziel ist, Bett und Schlafzimmer wieder stärker mit Schlaf statt mit Wachliegen, Grübeln, Arbeiten oder Anspannung zu verbinden. Dazu kann beispielsweise gehören, erst bei deutlicher Schläfrigkeit ins Bett zu gehen und das Bett bei längerem Wachliegen vorübergehend zu verlassen. Die konkrete Umsetzung wird an die Lebenssituation angepasst.
Bettzeitrestriktion oder Bettzeitkompression
Viele Betroffene verlängern ihre Bettzeit, um verlorenen Schlaf auszugleichen. Dadurch kann der Schlaf jedoch fragmentierter werden. Bei der Bettzeitrestriktion wird die Zeit im Bett zunächst gezielt an die tatsächliche Schlafzeit angenähert und später schrittweise erweitert. Eine sanftere Variante ist die Bettzeitkompression.
Dabei handelt es sich nicht um einen Wettbewerb im möglichst langen Wachbleiben. Die Methode sollte fachlich angeleitet und bei ausgeprägter Tagesschläfrigkeit, gefährlichen Tätigkeiten sowie bestimmten Erkrankungen besonders sorgfältig geprüft werden. Vorübergehend kann die Müdigkeit zunehmen.
Kognitive Therapie
Belastende Gedanken über Schlaf und seine Folgen werden nicht einfach „positiv gedacht“, sondern realistisch überprüft. Typische Themen sind:
- „Ich muss acht Stunden schlafen.“
- „Wenn ich heute nicht schlafe, werde ich morgen völlig versagen.“
- „Mein Körper kann das Schlafen nicht mehr.“
- „Ich muss jetzt sofort zur Ruhe kommen.“
Betroffene lernen, Katastrophengedanken, überhöhte Erwartungen und ständige Kontrolle zu reduzieren. Das Ziel ist nicht, jede Sorge zu verbieten, sondern ihr weniger Macht über die Nacht zu geben.
Entspannung und Umgang mit Grübeln
Entspannungsverfahren können helfen, das körperliche Aktivierungsniveau zu senken. Bei starkem Gedankenkreisen sind zusätzlich Strategien sinnvoll, die Sorgen bereits am Tag Raum geben, Aufmerksamkeit flexibler lenken und den Kampf gegen Gedanken beenden. Entspannung ist ein Angebot an den Körper – keine weitere Leistung, die perfekt gelingen muss.
Schlafhygiene
Ein regelmäßiger Rhythmus, Tageslicht, Bewegung, ein passender Umgang mit Koffein und Alkohol sowie eine ruhige Schlafumgebung können den Schlaf unterstützen. Bei einer chronischen Insomnie reichen allgemeine Schlafhygiene-Tipps allein jedoch häufig nicht aus. Sie entfalten ihren Nutzen am besten als Teil einer gezielten, individuell abgestimmten Behandlung.
Medikamente
Schlafmedikamente können in bestimmten Situationen vorübergehend sinnvoll sein, sind aber nicht für jede Schlafstörung und nicht automatisch für eine langfristige Einnahme geeignet. Einige Mittel können am Folgetag Reaktionsfähigkeit und Konzentration beeinträchtigen; bei bestimmten Präparaten bestehen außerdem Gewöhnungs- und Abhängigkeitsrisiken. Auswahl, Dauer, Wechselwirkungen und das sichere Absetzen gehören in ärztliche Hände. Bereits eingenommene Medikamente sollten niemals abrupt oder ohne Rücksprache verändert werden.
Was kann ich selbst für besseren Schlaf tun?
Einige Schritte können helfen, den Schlaf wieder zu stabilisieren:
- Stehen Sie möglichst zu einer ähnlichen Zeit auf. Eine regelmäßige Aufstehzeit unterstützt die innere Uhr oft stärker als eine erzwungene frühe Bettzeit.
- Nutzen Sie Tageslicht und Bewegung. Helligkeit am Morgen und Aktivität am Tag helfen dem Körper, zwischen Wachzeit und Ruhezeit zu unterscheiden.
- Gehen Sie erst bei Schläfrigkeit ins Bett. Erschöpfung bedeutet nicht immer, dass der Körper bereits schlafbereit ist.
- Drehen Sie die Uhr aus dem Blickfeld. Nächtliches Rechnen erhöht häufig den Druck.
- Planen Sie eine ruhige Übergangszeit ein. Ein wiederkehrendes Abendritual kann helfen, ohne dass daraus ein starres Pflichtprogramm werden muss.
- Begrenzen Sie Koffein passend zu Ihrer Empfindlichkeit. Auch mehrere Stunden vor dem Schlafen kann es noch wirksam sein.
- Verwenden Sie Alkohol nicht als Schlafmittel. Er kann zwar zunächst müde machen, den Schlaf im weiteren Verlauf aber unruhiger und weniger erholsam werden lassen.
- Geben Sie Sorgen früher am Tag Raum. Notieren Sie offene Gedanken und einen möglichen nächsten Schritt, statt nachts Lösungen erzwingen zu wollen.
- Bleiben Sie bei längeren Wachphasen nicht im Kampfmodus. Eine ruhige Tätigkeit bei gedämpftem Licht kann hilfreicher sein, als im Bett immer angespannter auf Schlaf zu warten.
Versuchen Sie nicht, alle Regeln sofort perfekt umzusetzen. Auch beim Schlaf kann Perfektionismus zusätzlichen Druck erzeugen. Entscheidend sind passende, über längere Zeit erprobte Veränderungen – nicht eine makellose Abendroutine.
Psychotherapie bei Schlafstörungen im ZIPP
Im ZIPP – Zentrum für Integrative Positive Psychologie bieten wir psychotherapeutische und klinisch-psychologische Unterstützung an unseren Standorten in Innsbruck und Villach sowie, wenn fachlich und rechtlich passend, auch online an.
Bei anhaltenden Ein- und Durchschlafstörungen betrachten wir nicht nur einzelne Nächte. Gemeinsam wird untersucht, wie Belastungen, Gedanken, körperliche Anspannung, Schlafrhythmus und alltägliche Bewältigungsversuche zusammenwirken. Auf dieser Grundlage können verhaltenstherapeutische Strategien eingesetzt und an Ihre persönliche Situation angepasst werden.
Wenn Ängste, Depressionen, Stress, Traumafolgen oder andere psychische Belastungen den Schlaf beeinflussen, werden diese Zusammenhänge in die Behandlung einbezogen. Gleichzeitig achten wir darauf, ob eine ärztliche oder schlafmedizinische Abklärung notwendig ist. Psychologische Behandlung ersetzt bei Hinweisen auf eine organische Schlafstörung nicht die medizinische Diagnostik.
Die therapeutische Arbeit kann schlafbezogene verhaltenstherapeutische Methoden mit einer ressourcen-, stärken- und werteorientierten Perspektive verbinden. Denn besserer Schlaf ist nicht nur ein Ziel für die Nacht. Es geht auch darum, am Tag wieder mehr Energie für Beziehungen, Arbeit, Erholung und jene Lebensbereiche zu gewinnen, die Ihnen wichtig sind.
Sie müssen Schlaf nicht erzwingen. Sie können lernen, die Bedingungen zu verändern, unter denen er wieder leichter entstehen darf.
Wann sollte ich mir professionelle Hilfe holen?
Ein Erstgespräch kann sinnvoll sein, wenn
- Ein- oder Durchschlafprobleme über mehrere Wochen bestehen,
- Sie sich tagsüber deutlich beeinträchtigt fühlen,
- die Sorge vor dem Schlaf immer mehr Raum einnimmt,
- Sie Aktivitäten, Arbeit oder soziale Kontakte wegen der Müdigkeit einschränken,
- Sie regelmäßig Schlafmittel, Alkohol oder andere Substanzen zum Einschlafen verwenden,
- gleichzeitig Ängste, depressive Symptome, starke Belastungen oder traumatische Erinnerungen bestehen,
- bisherige Selbsthilfeversuche keine ausreichende Verbesserung gebracht haben.
Eine zeitnahe ärztliche oder schlafmedizinische Abklärung ist besonders wichtig bei beobachteten Atemaussetzern, nächtlichem Luftschnappen, ausgeprägter Tagesschläfrigkeit mit ungewolltem Einschlafen, ungewöhnlichen Schlafattacken, starkem Bewegungsdrang in den Beinen oder gefährlichen Verhaltensweisen im Schlaf.
Wenn Sie so schläfrig sind, dass Ihre Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt ist, fahren Sie nicht Auto und bedienen Sie keine gefährlichen Maschinen. Bei akuter psychischer Krise oder Suizidgedanken wenden Sie sich bitte an den Notruf 144 oder 112, die TelefonSeelsorge Österreich unter 142 oder die nächste psychiatrische Notfallambulanz.
Wenn Sie sich in den beschriebenen Beschwerden wiedererkennen, können Sie mit dem ZIPP in Innsbruck oder Villach Kontakt aufnehmen. In einem ersten Gespräch klären wir gemeinsam, was Ihren Schlaf aktuell beeinflusst, ob weitere Diagnostik sinnvoll ist und welcher nächste Schritt zu Ihrer Situation passt.
Fachliche Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“, Update 2025.
- gesund.bund.de: Schlafstörungen – Definition, Symptome, Ursachen und Behandlung, aktualisiert 2025.
- National Heart, Lung, and Blood Institute (NIH): Insomnia – Treatment.
- National Heart, Lung, and Blood Institute (NIH): What Is Insomnia?
Häufige Fragen
Wie viele Stunden Schlaf sind normal?
Das Schlafbedürfnis ist individuell und verändert sich mit Alter, Gesundheit, Aktivität und Lebensphase. Für die Beurteilung ist deshalb nicht nur eine bestimmte Stundenzahl entscheidend, sondern auch, ob Sie sich tagsüber ausreichend wach und leistungsfähig fühlen. Der starre Anspruch, jede Nacht exakt acht Stunden schlafen zu müssen, kann unnötigen Druck erzeugen.
Ab wann spricht man von einer chronischen Schlafstörung?
Nach aktuellen Kriterien liegt eine chronische Insomnie typischerweise vor, wenn Ein- oder Durchschlafprobleme beziehungsweise frühes Erwachen mehrmals pro Woche über mindestens drei Monate bestehen, am Tag beeinträchtigen und trotz ausreichender Gelegenheit zum Schlafen auftreten. Professionelle Hilfe kann bereits vorher sinnvoll sein.
Ist eine Schlafstörung immer psychisch bedingt?
Nein. Schlafprobleme können psychische, körperliche, medikamentöse, verhaltensbezogene oder schlafmedizinische Ursachen haben – häufig wirken mehrere Faktoren zusammen. Deshalb gehört zur Diagnostik auch die Prüfung möglicher körperlicher und anderer schlafmedizinischer Erkrankungen.
Können Angst oder Depression Schlafstörungen verursachen?
Ja. Ein- und Durchschlafprobleme treten häufig gemeinsam mit Angststörungen, Depressionen, Stress oder Traumafolgestörungen auf. Die Beziehung kann in beide Richtungen wirken: Psychische Beschwerden können den Schlaf beeinträchtigen, und anhaltend schlechter Schlaf kann die emotionale Belastbarkeit zusätzlich verringern. Deshalb sollten beide Problembereiche angemessen berücksichtigt werden.
Brauche ich bei Schlafproblemen ein Schlaflabor?
Nicht grundsätzlich. Eine typische Insomnie lässt sich meist anhand einer ausführlichen Anamnese, eines Schlaftagebuchs und gegebenenfalls standardisierter Fragebögen beurteilen. Ein Schlaflabor ist insbesondere bei Verdacht auf Schlafapnoe, auffällige Bewegungen oder andere organische Schlafstörungen sinnvoll.
Hilft Psychotherapie bei Schlafstörungen?
Ja. Die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie gilt als Behandlung erster Wahl bei anhaltenden Ein- und Durchschlafstörungen. Sie setzt gezielt an Gedanken, Anspannung, Schlafrhythmus und Verhaltensweisen an, die den schlechten Schlaf aufrechterhalten können.
Ist Melatonin eine Lösung für chronische Insomnie?
Melatonin ist kein allgemeines Schlafmittel für jede Form von Schlafstörung. Ob es sinnvoll ist, hängt unter anderem von Alter, Schlaf-Wach-Rhythmus, Beschwerden, möglichen Erkrankungen und anderen Medikamenten ab. Auch frei erhältliche Präparate sollten nicht unkritisch dauerhaft eingenommen, sondern bei anhaltenden Beschwerden ärztlich besprochen werden.
Kann man verlorenen Schlaf am Wochenende nachholen?
Nach einzelnen kurzen Nächten kann zusätzlicher Schlaf entlasten. Sehr unterschiedliche Schlafzeiten und langes Ausschlafen können bei einer chronischen Insomnie jedoch den Rhythmus und den Schlafdruck ungünstig beeinflussen. Sinnvoller ist meist ein möglichst stabiler Rhythmus, der zur eigenen Lebenssituation passt.
Sie möchten Unterstützung?
Senden Sie uns gerne eine unverbindliche Anfrage für ein Erstgespräch in Innsbruck, Villach oder online. Das Erstgespräch ist eine reguläre, kostenpflichtige Sitzung von 50 Minuten. Wir melden uns in der Regel innerhalb von 1–2 Werktagen bei Ihnen.
Erstgespräch anfragen